#Nachgefragt. Inklusion gehört zu unserem kirchlichen Auftrag, ist doch jeder Mensch – unabhängig von seinen Begabungen, Handicaps, Hautfarbe etc. – nach biblischem Verständnis als Gottes Ebenbild geschaffen. Zum Thema „Inklusion“ haben wir eine kleine Interviewreihe gestartet. Zuletzt stand uns Marcel Müller Rede und Antwort. Müller ist 29 Jahre alt und als Referent für Inklusion und Teilhabe im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) tätig. Aufgewachsen und noch immer wohnhaft ist er in Wanne-Eickel. Zu seinem Aufgabengebiet gehören sowohl bundesweite Fachkreise und Beiräte als auch die Beratung von Jugendgruppen. Wir haben nachgefragt..
UK: Wie bist du zum (christlichen) Glauben gekommen?
Marcel Müller: Durch verschiedenste Menschen, die mich auf meinen Lebensweg begleitet haben. Einer der wichtigsten Begleiter auf meinem zum Glauben war das Jugendreferat Herne mit seinen Mitarbeiter.innen (Haupt- und Ehrenamtlich). Durch verschiedene Angebote, von Freizeiten bis zu Gottesdiensten, durfte ich dort Gemeinschaft und Glaube erfahren und spüren.
UK: Gibt es eine Bibelstelle, die dir etwas bedeutet?
Müller: Während meiner Einsegnung zum Diakon wurde mir folgendes zugesprochen.
Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unserem Werk, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt / 2. Timotheus 1,9
UK: Hast du manchmal, wenn du mit Behinderung konfrontiert bist, Zweifel im Glauben (gehabt)?
Müller: Ich denke Zweifel gehören zum Glauben dazu und sind erst einmal etwas Gutes, da man sich mit Spannungsfeldern auseinandersetzt und daran wachsen kann. Zweifel in Bezug auf Behinderungen kommen bei mir selten vor, da das Merkmal „Behinderung“ nicht mit Leid gleichzusetzen ist. Ins Zweifeln komme ich, wenn aufgrund von Barrieren eine Behinderung der Auslöser für Leid ist.
UK: Wie bewertest du denn Zusammenhang von Sünde und Krankheit/Behinderung?
Müller: Gar nicht, dieses Gottesbild teile ich nicht.
UK: Welche Barrieren erlebst du und wie gehst du damit um?
Müller: Als Referent für Inklusion und Teilhabe stoße ich oft auf die klassische Barriere im Kopf. Leider fehlt viel zu häufig der „Mut“ sich etwas Neues zu traue und sich inklusiv auf den Weg zu machen, da die Angst vor dem Unbekannten (nicht vor Behinderungen) so groß ist. Ist der Schritt erst einmal gemacht, fällt schnell auf, dass viele andere Barrieren viel leichter zu überwinden sind als die im eigenen Kopf.
UK: Hast du durch deinen Glauben einen anderen Blick auf Inklusion?
Müller: Ich würde die Frage gerne umdrehen und beantworten. Die Inklusion hat mich und meinen Blick auf den Kern des Christseins gestärkt. Nichts ist so inklusiv wie das Christsein: „in Jesus Christus seid ihr alle eins“ / Gal. 3, 28
UK: Arbeitest du inklusiv oder arbeitest du über Inklusion?
Müller: Ich arbeite sowohl inklusiv wie auch über Inklusion, im letzteren liegt definitiv der Schwerpunkt meiner Arbeit. Ich stehe Gemeinden und Gruppen als Ansprechpartner in Fragen zur Inklusion in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zur Verfügung.
UK sagt „Vielen Dank!“