Im Einsatz für Menschenwürde

Herne. Unter dem Leitwort „Auf die Würde. Fertig. Los!“ hat das katholische Hilfswerk Misereor am 9. März im Essener Dom seine 67. Fastenaktion eröffnet. In diesem Jahr richtet Misereor den Blick auf die schwierige Situation von Hochlandtamilinnen und -tamilen in Sri Lanka. Im Vorfeld der Eröffnung besuchten Ranushi Evanjalina Sampathawaduge und Vinayaga Devi Jayakanthan von Caritas Sri Lanka die Fachstelle Eine Welt des Kirchenkreises Herne, um über Ihre Arbeit auf den Teeplantagen zu berichten und um sich über das Thema Fairer Handel im Ruhrgebiet zu informieren. Als weitere Gäste konnte Eine-Welt-Promotor Markus Heißler Vertreter des Kirchenkreises, der Fairen Metropole Ruhr, des Weltladens Esperanza, des Caritasverbands Herne, der Weltlädenbasis Gelsenkirchen, des Bistums Essen, der tamilischen Community und von Misereor begrüßen.

„Die Hochlandtamilinnen und -tamilen bilden eine ethnische Gruppe, die aus den Nachfahren jener Arbeiterinnen und Arbeiter besteht, die im 19. und 20. Jahrhundert im Zuge der britischen Kolonialherrschaft aus Indien nach Sri Lanka geholt wurden, um zunächst Kaffee und später Tee zu ernten. Viele leben in kleinen, beengten Wohnungen auf den Plantagen. Die Bezahlung der Teepflücker und -pflückerinnen ist schlecht, die Arbeitsbedingungen sind hart, und es fehlen Möglichkeiten, ein eigenes, selbstbestimmtes Leben zu führen“, so Ranushi Evanjalina, die als Programmbeauftragte von Caritas Sri Lanka zuständig für das Projekt ist. Weitere Probleme für die Teetamilen sind der Mangel an politischer Teilhabe, der erschwerte Zugang zu staatlichen Sozialleistungen, der Mangel an sauberem Trinkwasser sowie das Fehlen einer Gesundheitsversorgung und von sanitären Einrichtungen. Statt der britischen Kolonialherrn sind es heutzutage globale Konzerne aus Indien, den Vereinten Arabischen Emiraten, China oder Sri Lanka selbst, die von der Ausbeutung profitieren und auf diese Weise günstigen Tee nach Europa liefern können.

Die beiden Mitarbeitenden von Caritas Sri Lanka SEDEC informieren mit Unterstützung von Misereor die Hochlandtamilinnen und -tamilen über ihre Rechte und ermutigen sie, deren Wahrung einzufordern. Ferner soll das Projekt Menschen darin bestärken, sich ein weiteres Einkommen aufzubauen ¬ etwa als Näherin, Weber oder Betreiberin eines kleinen Shops.

„Seit fünf Generationen arbeitet meine Familie auf der Plantage – meine Mutter hat Tee gepflückt, meine Großmutter hat Tee gepflückt und ihre Mutter hat auch schon Tee gepflückt,“ sagt Vinayaga Devi sichtlich bewegt, die heute als Koordinatorin des Projekts mit den Menschen vor Ort arbeitet und die schwierige Situation der Menschen aus eigenem Erleben kennt.  „Die Hochlandtamil:innen haben die Plantagen nie wirklich verlassen. Sie sind seit der Kolonialzeit eine diskriminierte Gruppe: Sie leben in Unkenntnis ihrer Rechte und kommen schwerer an staatliche Dienstleistungen. Sie besitzen meist keine Dokumente und haben oft keinen Zugang zu höherer Bildung. Das Land gehört ihnen nicht, sie brauchen für alles eine Erlaubnis,“ berichtet sie.  

Koordinatorin Devi erklärt, wie das Projekt die Menschen auf den Plantagen unterstützt: „Wir schauen gemeinsam: Wie kann sich die Gemeinschaft organisieren? Welche Rechte haben die Menschen, wie besorgt man sich Personalausweis oder Geburtsurkunde? Wie können die Leute selbst für eine gute Ernährung sorgen, wenn sie Gemüse anbauen und Tiere halten, und was brauchen sie dafür? Wir geben ihnen eine finanzielle Starthilfe für ihre Ideen und unterstützen besonders Frauen dabei, ein eigenes Business zu wagen. Die Idee ist also, dass sich die Leute mit ein bisschen Hilfe selbst stärken.“

Die beeindruckende Schilderung der Lebensumstände der Hochlandtamilen führten zu zahlreichen Nachfragen der Gäste. Auch die Frage, ob der Faire Handel einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände in Sri Lanka leisten kann, wurde diskutiert. Hierzu soll es einen weiteren Austausch mit den Gästen aus Sri Lanka geben. Auf die Frage, was wir noch tun können, sagte J. Devi: „Bitte sprecht bei jeder Tasse Tee ein Gebet für uns.“ MH

 

  • Vorne von links: Vinayaga Devi, Ranushi Evanjalina, (beide Caritas Sri Lanka)
  • Mittlere Reihe von links: D. Meilwes (Bistum Essen), T. Kaschek (Faire Metropole), Carola Winger (Weltladen), Markus Heißler (FEW)
  • Hinten links: M. Greifenberg, A. Omeirate (Caritas Herne)
  • Arbeit auf den Teeplantagen (Kathrin Harms/ Misereor)
     
  • Pflückerinnen auf der Teeplantage Dammaria nahe Passara: Die Frauen arbeiten unter schwierigen Bedingungen an steilen Hängen und werden nur gering entlohnt