Liaisondienst feiert zehnten Geburtstag

Castrop-Rauxel. Kein geriatrischer Patient über 75 Jahre soll nach seinem Krankenhausaufenthalt unversorgt nach Hause entlassen werden – das hat sich das Evangelische Krankenhaus Castrop-Rauxel auf seine Fahnen geschrieben und deshalb im Jahr 2015 den Liaisondienst ins Leben gerufen. Gefeiert wurde das zehnjährige Bestehen des Liaisondienstes am 11. März, mit einer kleinen Feier. Bei frisch gebackenen Waffeln und musikalischer Begleitung hatten die Netzwerkpartner im Foyer des EvK in lockerer Atmosphäre die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam auf das vergangene Jahrzehnt zurückblicken.

Damals zählte das EvK mit einem solchen Angebot noch zu den wenigen Krankenhäusern in der Region. Heute, zehn Jahre später, ist der Liaisondienst längst unverzichtbar geworden. „Traditionelle Familienstrukturen wie früher werden immer seltener“, erklärt Liaisonkraft Maria Prediger. „Viele Menschen sind im Alter einsam und haben niemanden, der sich um ihre Versorgung kümmert – hier setzen wir an.“

Um eine häusliche Unterversorgung zu erkennen, erfolgt im EvK bei geriatrischen Patienten ab 75 Jahren schon bei ihrer Aufnahme standardmäßig ein ISAR-Screening („Identification of seniors at risk“). Dahinter verbirgt sich ein kleiner Fragenkatalog, der den individuellen Versorgungsbedarf erfasst. Rund 4500 Patientinnen und Patienten wurden im vergangenen Jahr auf diese Weise gescreent – bei 60 Prozent war der Einsatz der Liaisonkraft gefragt. „Diese Zahlen zeigen, wie wichtig unsere Arbeit ist“, sagt Prediger, die all diesen Patienten einen Besuch abstattet. In einem zwanglosen Gespräch mit ihnen und ihren Angehörigen ermittelt die examinierte Pflegekraft schließlich die häusliche Situation und den nötigen Hilfebedarf. So empfiehlt sie etwa die Verordnung von Hilfsmitteln wie Rollator, Toilettenstuhl, Duschhocker oder die Beantragung eines Pflegegrads. „Wir denken schon bei der Aufnahme an die Entlassung“, so die Liaisonkraft. „So kann ein Patient, der einen hohen, bisher nicht abgedeckten Hilfebedarf hat, sicher sein, dass die bestmögliche Versorgung und Unterstützung eingeleitet wurde.“

Maria Prediger hat den Liaisondienst einst mit aus der Taufe gehoben. Die Idee dazu war mit der Gründung des damaligen EVR Netzwerks Geriatrie entstanden. Das Netzwerk wird inzwischen unter dem Dach des Evangelischen Verbunds Augusta Ruhr fortgeführt und sieht seine Aufgabe damals wie heute darin, älteren Menschen vom Tag ihrer Krankenhausaufnahme bis zur Weiterversorgung nach der Entlassung zur Seite zu stehen. Wie das bestmöglich gelingen kann, loten die Netzwerkpartner bei regelmäßigen Treffen wie dem Qualitätszirkel aus.

Erste Früchte dieses Netzwerkens waren damals klar gekennzeichnete Patientenmappen, die Patienten von der Pflegeeinrichtung über den Rettungsdienst ins Krankenhaus oder vom Krankenhaus zum ambulanten Pflegedienst begleiten und die sich bis heute bewährt haben. Denn in den Mappen finden alle an der Versorgung Beteiligten auf einen Blick sämtliche benötigten Unterlagen – von Vorerkrankungen bis zur Medikamentierung. So kann ohne Verzögerung mit der Behandlung begonnen werden. Es sind oft Kleinigkeiten, allerdings mit großer Wirkung. Und die will der Liaisondienst auch weiterhin in den Blick nehmen – um mögliche Lücken im Versorgungsnetz zu schließen. „Viele Patienten und Angehörige sind sehr dankbar, dass sie in ihrer Notsituation und manchmal auch Überforderung nicht allein gelassen werden“, sagt Maria Prediger. „Das ist eine große Motivation weiterzumachen.“


FOTO: EVK CASTROP-RAUXEL

  • Maria Prediger ist seit zehn Jahren das Gesicht des Liaisondienstes im EvK Castrop-Rauxel.